Recherche: Arbeit oder Ferien?

Residenznotiz #3, 24. Juli 2022, Kunsthaus Klosters

Bin ich jetzt hier zum Arbeiten — oder zur Erholung? Letzteres lockt hartnäckig, gerade bei Sonnenschein. Doch ich bleibe dran, damit’s gegen Ende nicht knapp wird. Die Interviews sind abgeschlossen, das Holz gefunden und für den Platz zum Arbeiten sieht’s gut aus.

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Da liebe ich an meiner Arbeit: wenn sich Schöpfung mit Recherche verbindet.

Die Idee: Zugewandert
Zum Konzept meines Residenzprojekts: Ich will drei Porträts machen, die 800 Jahre Geschichte dieses Tales verbinden mit der persönlichen Geschichte von drei Zugezogenen. Ein fiktives Porträt zeigt eine Walserin, die vor rund 700 Jahren über den Wolfgang ins Prättigau gezogen ist, um sich hier mit ihrer Sippe eine neue Existenz aufzubauen. Dazu stelle ich zwei Personen, die im Jubiläumsjahr nach Klosters gekommen. Die Skuplturen sprechen für sich, etwas Text dazu vertieft den Unterschied von damals zu heute.

Interviews als Hintergrund
Mit zwei «Modellen» konnte ich persönlich sprechen und gleich Bilder machen. Dariusz Durdyn ist von Silvaplana nach Klosters gezogen, wo er Executive Chef des Viersternehotels Vereina ist. Hier will er neu ankommen und beruflich auf hohem Niveau weiterkommen. April Llibre hat gemeinsam mit ihrem Mann den Bergen von South Carolina adieu gesagt. Sie haben sich frühzeitig pensionieren lassen und wollen den Herbst ihres Lebens in Klosters verbringen. Die namenlose Walserin war in der ersten Gruppe, die um 1300 von Davos Richtung Klosters auswanderte. Der damalige Freiherr Donat von Vaz bot Landrechte im Schlappin, damit sie das hoch gelegene, bewaldete Gelände urbar machten, einen Zins lieferten und wohl den damaligen Säumerweg nach Italien absicherten. Um meine schöpferische Projektion auf die Walserfrau zu vertiefen, konnte ich mit Christoph Luzi, Historiker und Projektleiter Klosters800, sowie Peter Guler, Lokal-Historiker sprechen.

So wird man bei der Arbeit auch zum Feriengast: nach dem Gespräch mit Peter Guler in Monbiel bin ich zu Fuss über den Gadäwäg nach Klosters Platz promeniert. Eine der Schoggiseiten von Klosters, trotz Regen und hartnäckigen Brämen.

Lärchenstämme aus dem Prättgau
Die Gemeinde hat mir für die Arbeit Klosterser Holz vermittelt. Bei der Ruwa Holzbau in Küblis treffe ich Duri, der gerade in der Sägerei einspringt. Wir finden zwei passende Stämme, die bald abgelängt werden und zum Kunsthaus rollen.

Sägen beim Schulhaus
Schliesslich klappt’s auch mit dem Werkplatz: bald hacke ich neben dem Schul.., ääh Kunsthaus.  Als nächster grosser Schritt steht der Umzug bevor – mit Sägen, Ketten, Pinsel und Pigmenten. Die Packliste wächst, Infos folgen.

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