Es wird ruhiger

Residenznotiz #9, 17. August 2022, Kunsthaus Klosters

Die letzten Tage in Klosters standen im Zeichen der Präsentation und der Dokumentation. Dazwischen wird spaziert und aufgeräumt; nach dem vierten Stadium der Kreation öffnen sich ruhigere Räume. 

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Im Schaulager Basel sind Werke aus dem «Cremaster Cycle» des US-amerikanischen Künstlers Matthew Barney ausgestellt: «Mit dem Zyklus umschreibt Barney fünf Stadien des Schöpfungsprozesses: den noch unreifen Moment der ersten Inspiration; den Zustand kreativen Widerstandes; den narzisstischen Augenblick, in dem sich der Künstler in die Idee verliebt; die konfliktuöse Situation der physischen Umsetzung und schliesslich den Moment der Artikulation.»

«La scultura va pensata»
Dieses Zitat trifft. Am konflituösesten ist für mich das aus-dem-Holz-Hauen. Es ist physisch anstrengend, mein Hirn rattert auf dem Grat zwischen Wagen und Gelingen. Früher dachte ich, andere Bildhauer hätten das locker im Griff.

Walser Grind Holzskulptur Christian Bolt KlostersNein, hirnen ist normal: «La scultura non va fatta. La scultura va pensata.», zitiert Christian Bolt einer seiner Dozenten bei meinem Atelierbesuch hier in Klosters. Sein «Walser Grind» ragt monumental aus der aktuellen Kunstpromenade (Flyer mit allen Werken), zwei seiner Werke sind im Kunsthaus selbst zu Gast.

Den Platz finden
Dreizehn Räume stehen zur Verfügung im temporären Kunsthaus Klosters, dazu kommen Treppenhaus und Foyers. Wohin mit «Zugewandert«? Es beginnt eine Wanderung durch Möglichkeiten, samt gebührenfreiem Rückentraining.

Diese Phase des Zeigens, Inszenierens schliesst die Schöpfung ab. Jetzt geht es an die kurzen Texte zur Idee.

Räumen, backen, spazieren
Marcel trägt Zeug die Treppe runterDie Skulpturen stehen, jetzt ist Zeit fürs Vorbereiten des Umzugs – und ein wenig Touristenleben. Kisten sind gepackt, gestapelt, aus den verschiedenen Räumen ins Lager getragen. Am Wochenende war Besuch da und Holzofen-Backtag beim Nutli Hüschi, dem Klosterser Heimatmuseum. Dazu gehört auch eine Besichtigung der wassergetriebenen Mühle, die das Mehl für unser Brot geliefert hat.

Holzofenbäckerei

 

WassermühleUnd gestern Abend hat mir ein Abendspaziergang rund ums Haus dieses Bild geschenkt.

Abendstimmung Klosters

Im nächsten Beitrag folgt eine Dokumentation der Figuren. Samt den Details zur Midissage vom 26. August, wo wir drei unsere Werke zeigen. Bettina Gugger hat mir einen Text aus ihrer Residenz-Sammlung geliehen, er passt zu meinen Figuren:

«Ich bin angekommen.
Ich habe mir nichts weiter vorgenommen, als einfach zu sein.

Fragte man einen Walser, ob er auch einfach sei, er würde entweder am Verstand oder an der Existenz der Fragestellerin zweifeln.
Wer arbeitet, ist.»