Sie schöpft sich

Da steht sie, die Mammut-Skulptur auf dem Strunk des ehemals riesigen Mammutbaums in Zürich. Sie schöpft sich selbst, findet ihre Form im Rahmen der ihr gegebenen Möglichkeiten. Dazu sind wir alle aufgerufen, ein Leben lang.

Gross wird, wer schnell wächst: Mammutbäume (Wikipedia) sind in dieser Hinsicht faszinierend. Was eine Eiche vielleicht in vier bis fünf Jahren zulegt, schafft ein Mammut in einem einzigen. Man findet sie bei uns als Besonderheit in Parkanlagen. Selten bekomme ich einen dieser angenehm zu bearbeitenden, wetterfesten Hölzer um ihnen ein zweites Leben als Skulptur zu geben.

«Um auf schöne Weise zu leben, haben Menschen seit jeher eine kunstvolle Arbeit an sich und ihrem Leben geleistet…» schreibt der Philosoph Wilhelm Schmid. Dabei begegnen wir den Grenzen und Möglichkeiten, die uns das Leben setzt und schenkt. Dieser Aufgabe stellt sich die «Schöpferin» sinnbildlich mit der roten Handsäge. Sie arbeitet an einem Werk, das in den Begrenzungen des Stamms und in der Begegnung mit Anderen genauso an ihr selbst arbeitet.

Sie hat ihren perfekten Platz gefunden auf dem Strunk des grossen Mammuts am Bleicherweg in Zürich, zwischen Paradeplatz und Bahnhof Enge (Maps). Der Baum musste wegen Faulstellen gefällt werden. Strunk und Wurzelwerk bleiben unbeseitigt, damit der Zwilling dahinter weiterhin weit in den Himmel ragt, erklärt Grün Stadt Zürich im Tagblatt vom 12. Februar 2019.

Meine Figur entstand aus einem in Winterthur gefällten Exemplar. Den Blumenschmuck gestaltet übrigens Maria Huber von der nahen Silberkugel seit Jahren (Tagblatt-Porträt). Sie freut sich über den Zuzug der starken Frau.

 

1) Wilhelm Schmid, Mit sich selbst befreundet sein, Seite 50, Suhrkamp Taschenbuch, erste Auflage 2007

Hochhaus zur Palme auf Maps
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