Kunst + Architektur: «Smiling Tower»

Von der Ausschreibung bis zur Montage: hinter diesem Beitrag stehen rund anderthalb Jahre. Das Video rafft alles auf dreieinhalb Minuten – es war eine ausserordentliche Reise!

Im Herbst 2018 versammelten sich die ausgewählten Künstler auf der Baustelle, eingeladen vom Architekten und der Hawa-Geschäftsleitung. Der Hauptsitz dieses weltweit führenden Herstellers von Schiebesystemen wurde renoviert – die Reise beginnt:

Der Wettbewerb: Akzent für den Eingang
Kundinnen und Kunden müssen über eine Treppe in den ersten Stock – wie führt man sie nach oben? Schön, dass im Budget für den Umbau auch Kunst vorgesehen wurde. Ein Wettbewerb sollte zur besten Lösung führen.

Ab ins Atelier. Ideen haben, verwerfen, sortieren, skizzieren.

Mein Vorschlag: Teamwork mit Schiebe-Elementen. Mehrere Figuren sollen auf insgesamt sechs Metern bis zum Empfang nach oben begleiten. Zum Testen dieser Idee und für die Präsentation erstelle ich ein kleines Modell, mit der Motorsäge aus Esche gehauen.

Ooops – gewonnen: skalieren auf 6 Meter!
Drei Monate später folgt der Bescheid. Meine Idee hat gewonnen.

Echt? Super! Ja dann – an die erste Knacknuss: wie schaffe ich den Sprung von 160cm Modell auf 615 cm Realität?

Gespräche mit Profis und Recherchen führen zur Lösung: Die Figuren werden aus einem massiven Balken gehauen, statt aus einem „unförmigen“ Stamm. So habe ich ein fixes Aussenmass für Transport und Montage.

Also lasse ich alle 30 cm ich den Balken im Original stehen. Dazwischen bleiben 25 cm für die Figuren und jeweils zwei versetzte «Wände», die als Verbindung zwischen «Boden» und «Decke» wirken.

So sah später das 1:1-Modell aus, um die Idee mit der Motorsäge zu testen. Die Herausforderung: kleine Figuren präzis herausholen und dabei seitwärts, unten und oben das Verbindende für die Konstruktion stehen lassen.

Holz her! Ein mächtiges Lindenbrett
Nach längerer Suche werde ich fündig: gemeinsam mit der Sägerei wählen wir ein vier Meter langes Brett, 30 cm dick, geschnitten aus dem Kern einer ausserordentlich grossen Linde.

Daraus schneidet der Profi zwei 30×30 cm-Balken; mit möglichst wenigen Schadstellen oder Einschlüssen auf der ganzen Länge. Eindrücklich, mit welcher Präzision diese Riesensäge bedient wird.

Montage im Atelier
Rund 200 kg wiegt jeder dieser Balken; die letzten Meter ins Atelier und das Aufstellen sind ein Abenteuer für sich.

Unten sichert ab jetzt eine fette Bodenplatte den «Stamm», oben eine Schraubzwinge am Dachträger.

Fürs Gerüst sorgen gestapelte Paletten. Die lassen sich leicht auf die jeweilige Arbeitshöhe umschichten.

Aus dem Vollen hauen, von oben nach unten

Auf der anfänglichen Arbeitshöhe von rund zwei Metern sichere ich mich mit einem Klettergurt am Balken ab um Fehltritte zu verhindern.

Nach vielen Wochen sind sie da, 14 Figuren auf zwei Balken verteilt. Bis zum Schluss ohne fatalen Fehler rausgesägt. So angeordnet, dass sie sich auf dem Weg nach oben zur Treppe hin wenden – damit die treppensteigende Kundschaft ihnen zulächeln kann. Hier werden die beiden Rohschnitte gerade mit Leinöl grundiert.

Pigmente setzen Akzente
Jetzt wird’s ruhig im Atelier: ich wechsle von der Motorsäge zum Pinsel. Im Modell für den Wettbewerb hatte ich farbige Wandelemente präsentiert – jetzt ist klar: das wäre zu viel. Nur die Figuren erhalten ihre Akzente, dazu mische ich Farbpigmente in Leinöl.

Übrigens tragen meine Pigmente poetische Namen, von Miloriblau über Irgazinrot bis Indischgelb. Und zu diesen Namen gibt’s ganze Geschichten. Miloriblau zum Beispiel ist die gekochte Variante von Berliner Blau (Wikipedia), dem ersten anorganisch hergestellten Pigment – davor war Blau teuer und rar.

Montage: Profis sei Dank!

Für den Transport muss die Bodenplatte weg, beide Balken werden hingelegt. Doch dazu sind die ehemals massiven Balken nicht mehr stabil genug: die extra gebaute Transportkiste legt sich genau an die beiden Skulpturelemente an. Diese Kiste fasst die 30×30 cm der Zwischenböden, mit Karton und Spanset wird alles fix festgezurrt.

Hurra, sie liegen – und sind noch ganz. Jetzt kommt das Vorbereiten des Übergangs: hier müssen das untere und das obere Element passgenau zugeschnitten sein. Damit vor Ort nur noch die vorbereiteten Schrauben angebracht werden können. Von wem ich das alles gelernt habe? Siehe unten.

Aha-Effekt: es stimmt
Der Transport klappt. Die definitive Bodenplatte lässt sich perfekt vor Ort befestigen.

Mit dem Montagekran setzen wir drei filigrane Drahtseile zur Sicherung des ersten Elementes. Dann kommt das zweite drauf.

Kleinigkeiten müssen wir neu entscheiden, improvisieren.

Am Ende des Tages steht sie. Und wie! Ich bin zufrieden, und erst in diesem Moment so richtig. Weil ich sehe: die Figur stimmt. Was ich wollte auf dieser langen Reise, ist erreicht: das grob gehauene Holz setzt einen lebendigen Kontrapunkt in die Eingangshalle, die Farbakzente sind perfekt, die Konstruktion funktioniert.

Merci!
Auf dieser Reise haben mich unter anderen mit Ansporn, Ideen und Support unterstützt: Christian Bider, Aecherli Holz, Rando Moricca, Bildhauer, Petra Rainer, Fotografin, Heinz Schmid, Bildhauer, Walter Spahr, Drahtabspannungen und vieles, Thomas Stächelin und das Schreiner-Team von Feuerholz, Stefan Willi, Baltensperger Metallbau. Eingeladen zur Ausschreibung haben Daniel Kopetschny, Architekt, und Heinz Haab, Hawa Sliding Solutions.

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Making of: 18 Monate in 3 Minuten.