Rückzug: Wo sich die Natur um uns kümmert

Neulich war ich für drei Tage in den Bergen, auf Alp Grüm zwischen St. Moritz und Poschiavo. Zurück in den Alltag bringe ich eine Blase an der linken Ferse, erfahrenes Tao und mehr Spielraum fürs Smartphone.

Die Blase wird bald wieder genesen sein. Sie ist ein sanftes Signal aus der Natur meines Körpers, der hinter diesen Worten steht.

Natur und Wasser: Tao praktisch

Auf dem Wanderweg zum Palügletscher bin ich dem intuitiven Erfassen näher gekommen. Und ich habe mich an Alan Watts erinnert: «Wenn du versuchst, fliessendes Wasser in einem Eimer einzufangen, so zeigt das, dass du es nicht verstehst und dass du immer enttäuscht sein wirst, denn im Eimer fliesst das Wasser nicht.» Dieses Bild hat mich der Weisheit des Tao-Tè-King von Lao-tse ein wenig näher gebracht.

Die Wasserfälle am Gletschersee machten diese Worte lebendig. So wie diese zehn Filmsekunden vielleicht zu einem eigenen Erlebnis mit dem Fluss des Lebens führen.

Mit dem Smartphone spielen

Der Weg in die Berge war auch ein weg von allem Digitalen. Mein Tagebuch führte ich im Notizblock statt auf dem iPad, das iPhone blieb ausgeschaltet. Gerne angeschaut hätte ich mir das Wetter. Oder den Fahrplan. Aber kaum schalte ich das kleine Ding wieder ein, flickern mir Kurznachrichten, verpasste Anrufe, die Anzahl der Mails, die Verlockung von Social Media entgegen. Oder schlimmer noch: Falls mich gar niemand vermisst hat?

Die kurze Abstinenz hat mir die Fixierung auf Nachrichten und den Hang zum Abruf von Inhalten noch stärker aufgezeigt. Auf der Rückreise habe ich das praktische Hilfsmittel umgeräumt. Jetzt zeigt der Start-Bildschirm nur noch Agenda, Telefon, Fahrplan und Wetter-App. Nachrichten und alle Social-Media-Apps dürfen mir keine Meldung mehr auf den Startschirm werfen, auch die kleine rote Zahl der offenen Mails oder anderer App-Reaktionen sind blockiert.

Das heisst, ich muss jetzt die Post «unten im Briefkasten holen», wenn welche da ist. Ich mag die neue Ruhe. Und lerne dabei spielerisch etwas über meine Zwänge. Bis zur nächsten Umstellung.

Selbstverbesserung kommt zu Besuch

Bin ich jetzt ein besserer Mensch? Mögen diese Worte zur Selbstoptimierung der Leser beitragen? Nein. Alan Watts’ Bücher inspirieren mich – samt dieser Erkennntnis: «…es könnte sein, dass, wenn Sie… vom Wahn befreit sind, immer gleich alles verbessern zu wollen, Ihre eigene Natur anfängt, sich um sich selbst zu kümmern.»

Auf in die eigene Natur. Bis zur nächsten Blase.

August 2015 / Fotos Marcel Bernet